Die Kernelemente der elektronischen Musik - scharfe Rhythmen und tanzbare Taktgebung - machten digital erzeugte Klänge in den letzten Jahren immer beliebter. Die Möglichkeiten, die der Computer zur musikalischen Entfaltung bietet, scheinen unendlich. Dennoch entwickelte sich aus der Fülle von kreativen Chancen beim Erzeugen von elektronischer Musik nur ein monotoner Körperausdruck. Der Grund hierfür findet sich in der eingeschränkten Vielfalt der zur Verfügung stehenden Instrumente. Diese funktionieren hauptsächlich über Knöpfe, Dreh- oder Schieberegler, was einen Nachteil gegenüber der „analogen“ Musik darstellt. Die Ausdrucksformen der elektronischen Musikinstrumente, die keinen Klangkörper besitzen, sind im Vergleich zu den Möglichkeiten von akustischen Instrumenten wie Gitarre, Klavier, Saxophon etc. stark eingeschränkt. Die Frage, wie man diesen Nachteil künstlerisch auszunutzen und ein neues Erleben von elektronischer Musik herausfordern kann, beantwortet „Pumpbeats“.
Die Installation „Pumpbeats“ soll den Horizont der digitalen Klänge und ihres Körperausdrucks erweitern und die Besucher, welche auch selber mit den Pumpen musizieren können, um neue Erfahrungen bereichern. Die Grundidee liegt darin, einen Gebrauchsgegenstand, welcher stark mit dem Moment des Körpereinsatzes assoziiert wird, mit der „körperlosen“ Musik zu einer Einheit zu verbinden. Für dieses Experiment werden Luftpumpen zu Instrumenten umfunktioniert, welche elektronische Musik erzeugen. Die Eigeninitiative der Besucher ist gefordert: Jeweils drei Interessierte können gleichzeitig gemeinsam mit drei Pumpen musizieren und eine neue Form der elektronischen Musik erfahren.
Um diesen Gedanken adäquat umsetzen zu können, werden einfache Handluftpumpen modifiziert. Am Ventil wird ein Piezo Sensor angebracht, welcher die Luft in ein elektronisches Signal umwandelt. Dieses Signal wird an eine Station weitergeleitet, an die bis zu fünf Pumpen angeschlossen werden können. Die analogen Impulse der Luftpumpe werden dort durch einen Microcontroller (Arduino) verarbeitet und über ein USB-Kabel an den Rechner weitergeleitet. Auf diesem Computer befindet sich eine eigens für die Installation entwickelte Software, die die digitalen Impulse in MIDI-Signale konvertiert. Daraus lassen sich mit Hilfe eines Musikprogramms Klänge erstellen. Elektronische Musik entsteht.
Die Faszination einer neuen Möglichkeit den Raum mit Tönen zu füllen, findet sich in der Installation „Pumpbeats“ bestätigt. Es sind keine Knöpfe oder Schieberegler, welche kreatives Potential entfalten, sondern ein einfaches „Instrument“ wie die Luftpumpe. Im Alltag wird sie in keinster Weise in der Umgebung von Kunst verwendet. Ihre Nutzung verlangt körperlichen Einsatz und strengt an. Das Aufpumpen eines Gegenstandes birgt einen konkreten Nutzen in sich, Luft wird zugeführt. Dies steht im Gegensatz zur künstlerischen Verwendung, bei der die Pumpe dazu genutzt wird, Musik zu produzieren. Kunst ist wie immer im ersten Moment zweckfrei, dient der eigenen Entfaltung und Entwicklung, der Unterhaltung oder der Bildung. Der Körperausdruck der Luftpumpe wird um den künstlerischen Aspekt erweitert, während der Körperausdruck der elektronischen Musik um das körperbetonte Moment ausgedehnt wird. Aus der Symbiose von Pumpe und Computer entsteht eine fruchtbare Bedeutungserweiterung beider Komponenten. „Pumpbeats“ spielt dem zu Folge mit der Verbindung einer „alten Kunst“ (=Musik) und den neuen Medien. Die spannende Korrelation der Körperlichkeiten bietet Interpretationsspielraum und interessante Einblicke in die Möglichkeiten von digital erzeugter Musik. Es wird Zeit, bei der Erzeugung von Kunst neue Wege zu erproben und die Klanggewohnheiten der Zuhörer auf die Probe zu stellen sowie ihre Grenzen zu testen. Die Installation „Pumpbeats“ bietet in diesen Sinne außergewöhnliche Erfahrungen für jeden Besucher.